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Turnen und Gesellschaft

Herzlich willkommen!

Bewegte Zeiten. Sport macht Gesellschaft.

Das ist das Thema des diesjährigen Geschichtswettbewerbs der Körberstiftung, für den wir uns auf die Suche nach einer möglichen Fragestellung machten. Nachdem wir zunächst einige Ideen wie Tanzsport und Emanzipation gesammelt haben und uns auf die Suche nach möglichen Quellen begaben, merkten wir schnell, dass wir mitunter aufgrund einer recht übersichtlichen Quellenlage und einer gewissen Uneinigkeit in der Gruppe wohl mit diesen Themen nicht weiterkommen würden.

Durch einen Hinweis unseres Tutors auf Sport während der Völkerbundzeit haben wir beschlossen die Ausstellung des Historischen Museeums Saar, die sich auf die 20er Jahre in der Saarregion bezog, zu besuchen. Diese Zeit ist grundsätzlich nicht nur sehr spannend, sondern war auch eine Zeit, in der sich das saarländische Selbstbewusstsein und Selbstbild in besonderer Weise ausprägte, sodass Akzente hiervon bis heute noch zu spüren sind.

Nach diesem sehr aufschlussreichen Besuch konnten wir unsere Untersuchung auf drei öffentliche Sportveranstaltungen beschränken – ein Gauturnfest in Dudweiler, eine Tanzveranstaltung französischer Soldaten und einen Boxkampf auf dem St. Johanner Markt in Saarbrücken. Da wir frühzeitig feststellen mussten, dass die Zeit wohl leider nicht ausreichen würde, um allen dreien dieser Feste gerecht zu werden, beschränkten wir uns auf das Gauturnfest in Dudweiler im Jahre 1930. So kamen wir zu folgender Fragestellung: Wie prägte Sport die Gesellschaft und das Leben der Menschen während der saarländischen Völkerbundszeit? Eine Untersuchung am Beispiel des Gauturnfestes 1930 in Dudweiler.

Durch die bereits zuvor getätigte Recherche bezüglich dieser Zeit im Allgemeinen, selbstverständlich mit Fokus auf das damalige Saargebiet, hatten wir bereits erste Kenntnisse erworben, auf die wir nun leicht aufbauen konnten. Uns stellten sich in diesem Zusammenhang auch schon die ersten Fragen, bevor das endgültige Thema der Arbeit feststand, da uns durch den Museumsbesuch die grobe Richtung unserer Recherche bereits bekannt war.

Dadurch, dass eines unserer Gruppenmitglieder selbst aus Dudweiler stammt, empfanden wir bezüglich dieser Thematik bereits zu Beginn eine gewisse Vertrautheit. Außerdem ist Dudweiler auch ein Stadtteil von Saarbrücken. In Saarbrücken ist auch unsere Schule, die Marienschule, zu finden. So weckte sowohl die Völkerbundszeit als herausstechende und beispielhafte Zeit der saarländischen Geschichte, als auch der Turnsport als typisch nationaler Sport unser Interesse. Vor allem aber das Fest als solches mit seinem Ausdruck von Gemeinschaft und seine erstaunliche Größe faszinierte uns.

Durch die Recherche bekamen wir tiefe Einblicke in den Ablauf, wie es organisiert und publik gemacht wurde, zum Beispiel inwiefern Zeitungen darüber berichtet haben. Öffentliche Turnfeste inmitten eines Ortes sind heutzutage schließlich nur noch selten anzutreffen. Interessant ist auch, wie das durchaus bestehende deutsche Nationalbewusstsein in dieses Fest einfloss und ob es dadurch ggf. Reaktionen der damaligen Regierungskommission auf Feste dieser Art gab. Auch die Resonanz der Bevölkerung erschien uns einer genaueren Betrachtung würdig.

Geschuldet der Tatsache, dass dieses Fest bereits vor 90 Jahren stattgefunden hat, fokussierten wir uns primär auf die Arbeit in Archiven (mit Festschriften, Zeitungsartikeln sowie Fotos) und ggf. Menschen, die sich selbst bereits thematisch mit unserer Fragestellung auseinandergesetzt haben. Auf Zeitzeugen hofften wir in diesem Kontext nicht, weshalb darauf auch nicht der Fokus unserer Arbeit lag.

Schlussendlich fing unsere Recherche im Hinblick auf die Fragestellung im Internet an, ging über mögliche Anlaufstellen wie Geschichtswerkstätten, Turnvereine, Experten dieser Zeit bis hin zum Stadt-, sowie Landesarchiv auf der Suche nach Informationen, die uns bei unserer historischen Spurensuche behilflich sein könnten.

Im Laufe unserer Recherche haben wir viele interessante Erkenntnisse gewinnen können. Wir fanden heraus, welche immense kulturelle Bedeutung solche Turnfeste für die Menschen hatten – auch im Bezug auf das deutsche Nationalbewusstsein, das damals den Saarländern aufgrund der politischen Lage besonders viel bedeutet hat.